Rotbier – Fast wie aus dem Mittelalter

Rotbier – Fast wie aus dem Mittelalter
Oberreichenbach – Anlässlich des 875-jährigen Dorfjubiläums braute die Oberreichenbacher Brauerei Geyer ein Rotbier ein. Das Rezept dazu stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist ein echtes Familienrezept. Der Gerstensaft hat einen Alkoholgehalt von 4,9 Prozent.
Das überlieferte Familienrezept stammt aus dem jahr 1661 und wurde von Reinhard Geyer, dem Chef der örtlichen Brauerei, ganz wie im Mittelalter gebraut. Auf die Idee haben ihn die Leute gebracht, die vermehrt nach etwas Besonderem für das Jubiläum fragten. Dabei musste er an die Forschung der Familienchronik denken und daran, dass er so manche Urkunde aus dem Brauereibetrieb gefunden hatte.


Rezept von 1661



Dort fand er auch das Schriftstück aus dem Jahre 1661. Per Verordnung war damals geregelt worden, dass sich die Wirte nicht so sehr des weißen Biers annehmen sollten, das ein dünnes Bier war ("...die Wirthe meistens weißes Bier würden mit Fleiß ausschenken"...). Stattdessen sollte mehr stärkeres, rotes Bier Verwendung finden: "Daß man hier einen guten gerechten Trunck Rotbier haben wird". Somit war die Entscheidung schnell gefallen: Reinhard Geyer würde das Rotbier brauen, dass schon seit Urgroßvater Johann Friedrich braute, als er die Brauerei 1894 erwarb. Diese gibt es schon seit 1519 in dem Dörfchen.


Mild und süffig schmeckt es



Laut dem Rezept wird es "aus einer Komposition von Pilsener, Münchener und Wiener Malz klassisch gebraut und mit feinstem Spalter und Hallertauer Aromahopfen gehopft“. Zu der Zeit waren die Bier übrigens alle rot-brauen, wissen auch die Söhne Andreas und Jochen, beides aktive Brauer. Die Färbung ergab sich aus den Möglichkeiten der Malzherstellung. Nach achtwöchiger Lagerzeit im Keller füllt Geyer die 4.000 Liter in bauchige Euro-Flaschen ab. "Man soll ja auch sehen, dass wir kein Industriebetrieb, sondern eine kleine Brauerei sind".


Die Geyer’sche Werbung verspricht ein mildes und süffiges Rotbier. Bürgermeister Klaus Hacker konnte dies nach einer ersten Verkostung bestätigen. Auch den Gästen schmeckte es: "Also mir schmeckt's", sagte einer fränkisch bescheiden. Worauf er die, an den Wirt gerichtete Antwort erhielt: "Wennsd etz a Brodzeid schbendieersd, dann schmeckts gleich nu vill besser".

Redaktion Brauen.de: Erika Mettmann


Nachricht vom 24.01.2011